6. Deutsche Woche der Tongji-Universität

Datum:2018-05-29Autor:Seitenaufrufe:38

Am 21. Mai wurde auf der Initiative der Chinesisch-Deutschen Hochschule (CDH) an der Tongji-Universität mit einem Konzert die 6. Deutsche Woche, die vom Chinesisch-Deutschen Campus (CDC) an der CDH der Tongji-Universität, organisiert wurde, eröffnet.

  

  

DENG Xiaomei und ihr Ensemble zogen das Publikum mit seiner jazzigen Mischung chinesisch-westlicher Musik sofort in seinen Bann. Das chinesisch-deutsch-italienische Ensemble verband dem Publikum wohlbekannte chinesische Lieder mit westlichen Elementen klassischer Musik und stieß damit auf fulminante Begeisterung.

  


In den folgenden Tagen gab es ein vielfältiges Angebot, das das gesellschaftliche, wirtschaftliche und wissenschaftliche Leben in Deutschland facettenreich vorstellte.

  

Am Nachmittag des 21. Mai trafen sich Wissenschaft und Wirtschaft. In einem halbtägigen Workshop diskutierten Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft über Controlling-Konzepte in der Unternehmenssteuerung.



In den Abendstunden kamen dann die Alumni zu Wort. Isabelle Harbrecht vom Verbindungsbüro der TU Darmstadt hatte TU Darmstadt Alumni aufs Podium gebeten. Die Alumni berichteten leidenschaftlich von ihren Erfahrungen während ihrer Studienzeit in Deutschland und machten dem interessierten Publikum mit vielen Tipps Mut zu einem Studium an einer deutschen Universität.

  

  

Literatur, Lyrik, Kunst und deutsche Philosophie lockten am 2. Tag interessierte Zuhörer. Das Chinabild in der deutschen Literatur war das Thema des DAAD-Lektors Jan-Helge Weidemann, für das sich zahlreiche Studierende interessierten. Im Anschluss lauschten sie dem Dichter Sebastian Unger, der aus seinem kürzlich veröffentlichten Gedichtband las. Aktives Mitmachen war bei Laura Sturm gefordert. Kreatives Malen in großer Runde bereitete den zahlreich Erschienenen viel Spaß. Die anberaumte Zeit reichte bei weitem nicht, manches Kunstwerk brauchte wesentlich mehr Zeit, bis es so war wie es sich die Künstler wünschten. Laura blieb gern länger, denn als Malerin weiß sie, dass der künstlerische Entstehungsprozess seine Zeit braucht. Wer dann noch an Geistesgeschichte interessiert war, konnte sich der deutschen Philosophie zuwenden. Dr. Yu Mingfeng setzte sich in seinem Vortrag mit dem in China sehr bekannten deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche auseinander. Dessen Modernitätskritik und seine Einsichten in den Sinn des Lebens standen im Focus der Ausführungen von Dr. Yu.

  

Die Datenwirtschaft ist in China und in Deutschland in aller Munde. Am frühen Dienstagnachmittag widmete sich Dr. Ganea von der Rechtsfakultät der Tongji-Uni diesem Thema. Vor welchen Herausforderungen steht das Recht angesichts der ausufernden Preisgabe privater Daten in den sozialen Netzwerken oder anderer Dienste im Internet. Peter Ganea stellte aktuelle Urteile und Gesetzesvorhaben zu diesem wichtigen Thema vor.


Deutsch ist an der Tongji-Universität eine allgegenwärtige Sprache. So wundert es nicht, dass junge Deutschlerner an der Tongji gerne wissen möchten, wie sie am besten mit Deutschen in Kontakt kommen können. Afu alias Thomas Derken war der geeignete Ansprechpartner. In seiner humorigen Art und wenn nötig in fließendem Chinesisch gab er viele Beispiele, auf welche Weise junge chinesische Deutschlerner Deutsche ansprechen und mit ihnen ein Gespräch beginnen können.

  

Mit Musik ging auch der zweite Tag der Deutschen Woche zu Ende. Ein junges internationales Ensemble aus Hamburg, das mit Fördermitteln der deutschen Bundesregierung in einem gemeinsamen Projekt über die Zukunft der Orchesterkultur forscht, konzertierte mit einem gemischten Programm aus klassischer und moderner Musik. Das Nebeneinander von traditionellen und experimentellen Darbietungsformen wurde von dem Publikum mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt und mit viel Beifall belohnt.


  

Mittwoch war Marburg-Tag, gefeiert wurde die nun 5jährige Strategische Partnerschaft zwischen der Tongji-Universität und der Philpps Universität Marburg. Ein Tag, prall gefüllt mit Vorträgen aus Lehre und Wissenschaft. Themen waren Urbanisierung, Gesundheit, Deutsch als Fremdsprache und Wirtschaftswissenschaften. Namhafte Professoren waren angereist, um mit Studenten und jungen Wissenschaftlern der Tongji-Universität in einen Dialog zu treten.

  

  

Die Zukunft der Arbeit im Zeitalter der Digitalisierung war das Thema der abendlichen Veranstaltung, die das CDC-Team und die Friedrich-Ebert-Stiftung gemeinsam veranstalteten. Nach einem Vortrag von Prof. Tino Schuppan, Professor für Public Management an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit und wissenschaftlicher Direktor des Instituts für eGovernment in Potsdam diskutierten auf dem Podium Prof. Schuppan, Stefan Pantekoek, Leiter des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Shanghai, der Doppelmaster-Absolvent des Chinesisch-Deutschen Hochschulkollegs XU Xuhui und die Doktoranden des Chinesisch-Deutschen Instituts für Berufsbildung an der Tongji-Universität, ZHOU Na und ZHU Shan über die Herausforderungen und Chancen, die der digitale Wandel mit sich bringe. In dem Gespräch mit reger Beteiligung des Publikums wurde erkennbar, dass die Digitalisierung in China und in Deutschland jeden Bürger, die Unternehmen, Verwaltungen und Regierungen in gleicher Weise betreffe. Und es wurdenauch kulturelle und generationsspezifische Unterschiede deutlich. Der Vergleich zwischen Deutschland und China zeigte, dass auf deutscher Seite in allen Altersgruppen noch stärker ausgeprägte Unsicherheiten vorherrschten, insbesondere in Hinblick auf eine mögliche Mehrbelastung am Arbeitsplatz. Zum Abschluss betonte Prof. Schuppan seine Auffassung, dass im Wettbewerb nur der bestehen könne, der nicht arbeitsmarktorientiert studiere, sondern vielmehr einer Tätigkeit nachgehe, die ihm Freude bereite!



Auch die Studenteninitiative Chinesisch-Deutsches Fenster (CDF) engagierte sich bei der Programmgestaltung. Mit ihrem Lego-Workshop am Donnerstagabend begeisterte sie Jung und Alt. Begeistert wurde aus den bunten Steinen die verschiedensten Modelle gebaut, die nun im Chinesisch-Deutschen Innovationslabor im 3. Stock des Chinesisch-Deutschen Hauses zu bestaunen sind.

  


In der Deutschen Bibliothek fand am selben Abend eine vom DAAD Informationszentrum organisierte Quizveranstaltung statt, die auf ganz andere Weise den Besuchern Deutschland nahe brachten. Das Deutschland-Quiz gab mit vielen Fragen zu Universität, Kultur, Wirtschaft und Freizeit den Teilnehmern Aufschluss darüber, ob ihre Vorbereitung auf ein Deutschlandstudium bereits ausreicht oder ob sie sich noch bisschen fitter machen sollten. Eine weitere Alternative an diesem Abend war der Filmabend, den Sebastian Unger mit seinen Studierenden vorbereitet hatte. Der Film, der sich mit dem global hochaktuellen Thema Migration auseinandersetzt, wurde im Medienraum der Deutschen Bibliothek begleitet von kurzen erklärenden Einführungen von Studierenden den Besuchern gezeigt.

  

Am Freitagmittag war dann wieder Kreativität erwünscht. Für das weltweit bekannte deutschsprachige Theaterstück „Besuch der alten Dame“ wurden kleine Bühnenszenarien entwickelt. Einen Nachmittag lang saßen Eva Böhmer; Kulturreferentin im Österreichischen Konsulat Shanghai, und theaterbegeisterte Studentinnen zusammen und versuchten zu erkunden was der Theatertext über seine Geschichte hinaus noch erzählt.

  

Der Freitag klang musikalisch aus. Anhand von drei populären deutschsprachigen Liedern besprach Dr. Helmut Heit von der School of Humanities der Tongji-Universität mit seinen Zuhörer, was an diesen Liedern „typisch deutsch“ sein könnte. Es entspann sich ein lockerer Austausch, in dem die deutschen Anwesenden erfuhren, was für chinesische Deutschlandkenner „typisch deutsch“ ist: Die Deutschen lieben es, Aktenordner anzulegen.

  

Das Wochenende stand im Zeichen der Teekultur. Der europäisch-chinesische Teesalon, angeboten von Dr. Heubel von der kulturwissenschaftlichen Fakultät der Tongji-Uni, widmete sich dem Thema „Chinesische Teekultur der Ming-Zeit“. Neben der Darstellung der damaligen Teekultur wurde auch auf Parallelen und Unterschiede zu heutigen Formen des Teetrinkens eingegangen.


  

Zum Abschluss der Deutschen Woche gehörte die Bühne den Studierenden. Synchronisation eines deutschen Films war die Aufgabe. Mit viel Enthusiasmus nahmen die Studierenden an diesem Wettbewerb teil. Sprachliche Gewandtheit und Verständlichkeit im Ausdruck, die Messlatte der Juroren war hoch. Doch schon allein das Mitmachen war Freude genug.

  

Mit der Deutschen Woche, die vom 21. – 29. Mai stattfand, wird eine Brücke geschlagen zwischen den Kulturen der beiden Länder Deutschland und China. Sie trägt mit ihren sowohl diskursiven als auch zum Mitmachen anregenden Veranstaltungen aktiv dazu bei, die jeweilig andere Kultur und ihre Menschen näher kennen und verstehen zu lernen.