Qiu Meirong: Innovative Entwicklung und Globale Verantwortung der deutsch-chinesischen Beziehungen

Datum:2017-07-15Autor:Seitenaufrufe:31

Dienstag, 13. Juni. 2017 03:30 AM

Von Qiu Meirong, Singapur

Anlässlich des 45. Jubiläums der deutsch-chinesischen diplomatischen Beziehungen ist der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang zu einem Staatsbesuch in der Bundesrepublik Deutschland eingetroffen.

Li Keqiang traf sich mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie einigen Spitzenpolitiker. Sie führten gemeinsam aktive Diskussionen, wobei wichtige Themen die innovative Entwicklung der bilateralen Beziehungen, die Vertiefung der strategischen Partnerschaft und die Schaffung einer offenen und multilateralen Weltordnung waren.

Beide Länder verbinden viele Gemeinsamkeiten. Als See- und Landmacht haben sie z.B. gemeinsame Bestrebungen die Marine auszubauen. In der Neuzeit hat nur Deutschland seine modernsten Panzerschiffe an China zum Aufbau der chinesischen Flotte verkauft, die aber wegen der Seeschlacht am Yalu-Fluss 1894 nicht verwirklicht wurde. Chinas Anerkennung und Hochschätzung der deutschen Kriegsschiffe aber blieb bis heute.

Während alle Länder der Welt mittlerweile ihre Aufmerksamkeit auf Chinas Aufschwung legen, machen sie sich aber auch Sorge über die Möglichkeit der strategischen Koordinationund Kooperation zwischen China und den USA. Viele Länder vergleichen sogar die chinesisch-amerikanischenBeziehungen mit den früheren Beziehungen zwischen England und Deutschland. Der Vergleich ist zwar im ernsten Sinne unhaltbar, aber er spiegelt die Rolle beider Länder wieder: Sie sind in der Lage, eine neue Weltordnung zu schaffen. Die Kooperation zwischen Deutschland und China steht deshalb im Rampenlicht der Weltgemeinschaft.

Die innovative Entwicklung der deutsch-chinesischen Beziehungen kehrt sich von dem veralteten Denken der traditionellen Machtpolitik ab und legt ihren Schwerpunkt auf die Innovation der Technologie, Ausbildung und Realwirtschaft. Beide Länder schaffen auch einen Präzedenzfall für die wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit der Großmächte, indem sie sich gegenseitig der innovativen Entwicklung als Staatsstrategie verschrieben haben, wie z.B. die Verknüpfung zwischen der chinesischen “Made in China 2025” und der deutschen “Industrie 4.0”. Außerdem haben die Dreieckskooperation, das Kooperationsmodell “2+2” zwischen Unternehmen und Forschungsinstituten solide Schritte getan. Im Sinne der “Gemeinsamen Innovation” haben die beiden Länder den richtigen nachhaltigen Weg zum Erfolg gefunden und geben damit der Welt ein gutes Beispiel.

Die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen gelten als ein Stimmungsbarometer für die Beziehungen der Länder. Die Wirtschaft von China und Deutschland sind miteinander eng verbunden, China ist der größte Handelspartner Deutschlands in Asien, während Deutschland in Folge von zehn Jahren Chinas wichtigste Handelspartner in Europa blieb.

Angesichts der globalen Finanzkrise sind immer wieder “black swan events” in den letzten Jahren in Europa aufgetreten. Der Brexit hat z.B. große Auswirkungen auf die europäische Integration ausgeübt. Als das größte Investitionsland zeigt China seine Hilfsbereitschaft. Dies zeigt sich am Abschluss zahlreicher neuer Verträge in der Höhe von 18,1 Milliarden in den Bereichen wie Luftfahrt, Umwelt, intelligente Herstellung, die während des Staatsbesuches abgeschlossen wurden.

Darüber hinaus besteht ein stillschweigendes Einverständnis zwischen Deutschland und China, wenn es um die Gestaltung der neuen Weltordnung geht. Seit dem Beitritt zur WTO hat China sichtbare Beiträge zur Entwicklung der Weltwirtschaft geleistet. Als die USA mit Wirtschaftssanktionen und Außenpolitik im eigenen Interesse versuchte, Chinas Beitritt zu verhindern, hat Deutschland als erstes an die EU appelliert, die Anti-Dumping-Gesetze zu verbessern, damit alle Länder gleichberechtig behandelt werden. Dies hat somit China Hindernisse aus dem Weg geschafft.

Deutschland und China sind mit der Wirtschaftsentwicklung in neue Bereiche eingetreten wie gesellschaftlich-kultureller Austausch, der strategische Dialog für Außenpolitik und Sicherheit. Es wird auch festgelegt, dass im kommenden Jahr die 5. Regierungskonsultationen zwischen Deutschland und China in Berlin stattfinden. Die Mechanismen für den politischen Dialog auf einer hohen Ebene sind möglichst schnell und reibungslos einzurichten. Kein Wunder, dass westliche Medien von den Flitterwochen zwischen Deutschland und China sprechen.

In diesem Zusammenhang kann man das gut verstehen: Deutschland und China haben die umfassende strategische Partnerschaft erfolgreich ausgebaut; Li Keqiang und Merkel führten das neunte offizielle Treffen.

Die Riesenwelle der Globalisierung ist unaufhaltsam. Innerhalb von nur ein paar Jahrzehnten hat sich China zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt entwickelt. Als Vorreiter und Motor der europäischen Integration spielt Deutschland gleichfalls eine führende Rolle bei der Wirtschaftsintegration und Globalisierung.

Als die USA in der kritischen Zeit der Weltwirtschaft um eigene Vorrechte kämpfte, kritisierte Merkel mit aller Deutlichkeit dies und warnte vor einer Sackgasse der Entwicklung der Weltwirtschaft. Chinas Staatspräsident Xi Jinping forderte auch in der Öffentlichkeit, die Globalisierung der Wirtschaft nachhaltiger, toleranter und dynamischer zu machen.

Vor diesem Hintergrund zeigt der Besuch von Li Keqiang die chinesische Bereitschaft zur Unterstützung der europäischen Integration. Im Gegenzug würdigt Deutschland auch die chinesische globale Strategie “One Belt, One Road” sowie den Aufbau dieser modernen Seidenstraße. Auf der G20 Gipfelkonferenz lautet das Motto: “eine vernetzte Welt gestalten”.

Die Kooperation beider Länder ist aber nicht beschränkt. Sie übernehmen gemeinsam die globale Verantwortung für Weltverwaltung und internationale öffentliche Produktionen. Bei der offenen Weltverwaltung kommt es auf Engagement, Verantwortung und Einsatzbereitschaft an. Während die USA das Paris-Klimaabkommen aufgekündigt haben, hat Li Keqiang in Deutschland zugesichert, dass China sich weiter an das Abkommen halten würde. Außerdem rief Li alle Länder der Welt zur Verstärkung der Zusammenarbeit und zur Mitwirkung am Aufbau eines verantwortlichen globalen Entwicklungsmodells auf.

Das Konzept der von Deutschland und China initiierten Weltverwaltung unterscheidet sich von traditionellen einseitigen Gedanken. Im Gegenteil legt es großen Wert auf die Förderung der unterentwickelten Regionen. Das zeigt sich z.B. an der Talentausbildung im Bergbau in Afghanistan auf der Grundlage der Dreieckkooperation, und auch an der Afrika-Dreieckkooperation im Konsens “von Afrika aufgestellt, zugestimmt und geleitet”.

Angesichts der schwierigen Lage im Westen wird die chinesische beispiellose Anziehungskraft in westlichen Meinungen sehr begrüßt und positiv bewertet.

Die von Deutschland und China angestrebten Wege zur offenen Weltverwaltung können mit Wahrscheinlichkeit das traditionelle Modell der Globalisierung und Weltverwaltung grundlegend verändern, was genau die Bedeutung des Besuchs von Li Keqiang und die Verantwortung der deutsch-chinesischen Beziehungen darstellt.

  

von dem Forscher des Deutschland Forschungszentrums der Tongji Universität.